Man möchte meinen, ich hätte bei den vielen Streiks hier im Mutterland der Streiks unendlich viel Zeit zum schreiben und könnte mich ja eigentlich über die viele Freizeit freuen. Denn wenn kein Zug rollt, kommt auch kein Prof zur Uni, ergo wurden erstmal alle Kurse auf unbestimmt verschoben. Aber erstens wohn ich halt im Vorort und Freizeit macht meistens nur Spaß, wenn man nach Paris reinkommt und zweitens liegt der Hund im Detail begraben. Auf „unbestimmt“ wird heißen, dass wir das Ganze im Dezember oder Januar nachholen werden – oh lala.
Tja und naiv wie ich bin, dachte ich, irgendeine Bahn wird schon rein- und rausfahrn – also auf zum Praktikum (da konnte ich schließlich auch die letzten 6 Tage nicht hin). Und so beginnt meine kleine Geschichte von der kleinen Manja, den Streik von einer interessanten Seite zu sehen bekam. Lest, was dann geschah:
Naja, ich jedenfalls gegen 10Uhr los zur RER (= S-Bahn) Station…musste nicht mal lang warten und schon war ich auf dem Weg in die Stadt. In der Innenstadt angekommen, muss ich immer noch umsteigen und 6 Stationen mit der Metro fahren. Und obwohl meine Metro mit 1 von 2 Zügen (also immerhin alle 6min.) recht gut besetzt war, quillte der Bahnsteig quasi über und eine volle Bahn nach der anderen fuhr ein. Irgendwann konnt ich mich endlich in eine reinquetschen – Sardinen haben dagegen viel Platz (und natürlich quetscht sich jede Station noch jemand dazu – mit schubsen, drängeln usw.). nach einiger zeit kam ich also an und nehme noch die letzten Meter zu Fuß zum MSH (maison de science de l´homme). Soweit so gut, es ist 12Uhr.
Praktikums selbst lief ohne große Vorkommnisse und ich via Internet immer mal wieder die Lage im Transportwesen gecheckt. Um 17Uhr trete ich meinen Heimweg an, da ich hoffe mit der allgemeinen rush hour wird es wenigstens ein paar Züge geben (im Internet hieß es seit 13Uhr Linie A trafic quai nul – richtig verstanden, sollte eigentlich so gut wie gar nix gehen). Voller Hoffnung stapfe ich also extra zu einer anderen Station, weil da vielleicht weniger los (das war gar nicht so dumm, denn an meiner „eigentlichen“ Station gabs ne riesen Schlange den Gang zur Straße hoch und Bahn-Mitarbeiter mussten die Leute einweisen und konnten nur stoßweise einen Trupp zum Gleis lassen, Polizei natürlich anwesend). Die Sardinenfahrt nahm seinen lauf – frische Luft wird ja auch allgemein überbewertet – und irgendwie landetete ich endlich in chatelet / les halles, meiner Umsteigestation. Dummerweise denken die Leute nicht dran, erst die Aussteigenden raus zu lassen und dann einzusteigen – wär ja sonst auch viel zu einfach und übersichtlich. Aber was soll´s, ich hab nen großen Bruder und meine kleine Schwester ist auch größer als ich – schubsen kann ich auch!
Im RER-Bereich angekommen, wurde es dann schon gespenstisch ruhiger, vor allem für diese Zeit. Nun ja, was soll ich sagen, den Bericht quasi vorgeschrieben habe ich nun am Gleis, wartend ob noch was geht. Da kam auch schon bald die Durchsage, dass weder ein RER A, B, C, D oder E fahren würde (wer will auch schon in die Vororte raus). Ich sah mich schon meinen Chef vom Praktikum anrufen, ob ich heut Nacht bei ihm schlafen konnte, wollte aber erstmal noch etwas ausharren. Wenn nur die Hälfte geht, muss die andere Hälfte sich ja was dabei denken, einfach zu bleiben und zu warten. Erstmal warten…
Und das hat sich bewährt – 18:22Uhr endlich die rettende Durchsage, dass in ca.40min. ein Zug nach Marne la Vallée fahren würde. Kurz vor 18Uhr – man beachte, um 6!, eine Schicksalszahl mittlerweile - bin ich mal hoch in die Halle gelaufen um zu schaun, ob sich nicht doch ein Mitarbeiter finden lässt, für irgendeine Aussage. Die Schalter waren natürlich zu, aber aus irgendeiner Seiten- / Geheimtür kamen zwei jünger Frauen. Ich also sofort hin und gefragt, ob es was Neues gibt. Man warte auf die Spätschicht. Sind da ein paar Lokführer dabei, könnten noch ein paar Züge fahren.
19:14Uhr fährt der Zug ein. Die Sardinensache hatte ich ja glaub ich schon das ein oder andere Mal angesprochen. Und da waren echt Leute dabei, die in dem Abschnitt in Paris Stadt nur 1 oder 2 Stationen mitgefahren sind (obwohl ja die Metros viel besser getaktet waren). Nun denn, Ankunft in Lognes konnte dann 20Uhr verzeichnet werden…und erstmal raus in den Regen, schnell zum Wohnheim laufen.
Hatte ich eigentlich erwähnt, dass ich normalerweise von Tür zu Tür zum Praktikum 45min. brauche? Ach ja und morgen, also Dienstag streikt der Dienstleistungssektor gleich noch mal mit – hoffentlich hab ich wenigstens Strom.














